Serifen und serifenlose Schriften als Entscheidungen über das Lesen
Der Buchstabe vermittelt mehr als das Wort
Bei einer Serifenschrift weist ein Strich einen kleinen Vorsprung auf; bei einer serifenlosen Schrift fehlt dieses Merkmal. Der Unterschied ist zwar bekannt, aber zu allgemein, um zu entscheiden, ob ein Text lesbar, glaubwürdig oder angemessen ist. Die Schriftarten innerhalb beider Kategorien unterscheiden sich erheblich in Proportionen, Zeichenabständen, Kontrast und Aufbau.
Die pädagogische Aufgabe besteht darin, typografische Entscheidungen mit den Leseumständen in Verbindung zu bringen. Kulturelle Assoziationen spielen ebenfalls eine Rolle, doch ein Designer sollte zwischen einer Assoziation und einem nachweisbaren Leistungsvorteil unterscheiden. Ein traditionelles Erscheinungsbild führt nicht automatisch zu vertrauenswürdigen Informationen.
Kategorie und Bauweise
Historische Schriftmuster zeigen, dass sich Buchstabenformen durch bestimmte Werkzeuge, Märkte und Druckbedingungen entwickelt haben. Das von F. H. Potsdam besprochene Muster „Two Lines English Egyptian“ liefert eine frühe gedruckte Referenz für serifenlose Schrift. Ein historisches Muster ist ein Beleg für ein bestimmtes Erscheinungsbild und einen bestimmten Kontext; es sollte nicht zu einer vereinfachten Erzählung werden, in der die moderne Typografie plötzlich die Klarheit erfunden hätte.
Betrachten Sie die tatsächlichen Formen. Wie deutlich unterscheiden sich ähnliche Zeichen voneinander? Wie offen sind die Innenräume? Was passiert mit dünnen Strichen bei der vorgesehenen Schriftgröße? Der Name der Kategorie allein beantwortet keine dieser Fragen. Größe, Strichlänge, Zeichenabstand und Reproduktion können einen größeren Unterschied ausmachen als das Vorhandensein von Serifen.
Lesen und Scannen sind unterschiedliche Aufgaben
Eine Buchseite lädt zum ausgiebigen Lesen ein. Ein Schild muss möglicherweise im Vorbeigehen wahrgenommen werden. Bei der Anzeige von Instrumentendaten muss unter Zeitdruck möglicherweise eine kurze Beschriftung oder eine Zahl erkannt werden. Unter diesen Umständen können dieselbe Schriftart und derselbe Satz unterschiedliche Ergebnisse erzielen.
Prüfen Sie, welche Informationen die Nutzer tatsächlich benötigen. Ein schönes Alphabetmuster beweist noch nicht, dass eine Dosierungsangabe, der Name eines Weges oder eine Teilenummer erkennbar sind. Vergleichen Sie das gesamte Layout, einschließlich der Hierarchie und der Beziehung zwischen Text und Bedienelementen. Die Typografie ist ein wichtiger Bestandteil einer Benutzeroberfläche.
Bedeutung ohne Stereotypen
Serifenschriften können in einem bestimmten Kontext auf bestimmte Verlagstraditionen hindeuten; eine geometrische serifenlose Schrift hingegen kann in einem anderen Kontext Modernität suggerieren. Diese Assoziationen sind erlernt und veränderlich. Die internationale Kommunikation bringt weitere Unterschiede hinsichtlich der Schriftsysteme, der verfügbaren Schriftarten und der Erwartungen mit sich. Der Versuch, das Erscheinungsbild einer lateinischen Schriftart sprachübergreifend beizubehalten, kann die Qualität der anderen Schriftsysteme beeinträchtigen.
Eine Corporate Identity sollte daher nicht nur Schriftnamen festlegen, sondern auch Beziehungen definieren. Sie sollte die Hierarchie, den Zeichenabstand und die Funktionen des Textes festlegen und sprachgerechte Optionen bieten. Ein einheitliches Leseerlebnis ist wertvoller als eine starre visuelle Ähnlichkeit, die durch ungeeignete Schriftformen erzeugt wird.
Ein ausgearbeitetes Designbeispiel
Ein Hersteller muss kleine Bedienelemente beschriften und zudem eine umfangreiche Bedienungsanleitung veröffentlichen. Die Wahl einer einzigen Schriftart reicht für die Typografie nicht aus. Die Bedienelemente müssen auf einen Blick erkennbar sein, während die Bedienungsanleitung ein ausgiebiges Lesen und eine übersichtliche Navigation erfordert.
Legen Sie realistische Inhalte in der endgültigen Größe fest. Vergleichen Sie mehrdeutige Buchstaben und Zahlen in den Beschriftungen und prüfen Sie anschließend den Absatzrhythmus und die Überschriften im Handbuch. Eine Schriftart, die für eine Aufgabe geeignet ist, erfordert möglicherweise eine andere Einstellung oder eine ergänzende Auswahl für die andere Aufgabe. Die Wahrung der Identität sollte nicht bedeuten, dass eine ungeeignete Größe oder ein ungeeigneter Abstand beibehalten wird.
Zeigen Sie gedruckte, gerasterte und getragene Beispiele, sofern diese Bedingungen zutreffen. Erläutern Sie das endgültige System anhand von Informationsfunktionen und Reproduktionsbeschränkungen. Das Ergebnis kann visuell kohärent bleiben, auch wenn die tatsächlichen Einstellungen variieren. Kategorienbezeichnungen wie „Serif“ und „Sans Serif“ reichen nicht aus, um diese Kohärenz zu beschreiben.
Eine praktische Übung
Legen Sie denselben Kurztext in mehreren Serifen- und serifenlosen Schriftarten fest. Legen Sie zunächst Größe und Layout fest; passen Sie anschließend jede Einstellung an die jeweilige Aufgabe an. Testen Sie eine Aufgabe zum fließenden Lesen und eine kurze Erkennungsaufgabe getrennt voneinander. Notieren Sie Fehler und Verwechslungen, bevor Sie fragen, welche Variante professioneller wirkt. Begründen Sie Ihre endgültige Wahl anhand des Textes, der Zielgruppe und der Bedingungen und nicht allein anhand der Kategorie.
Die Schrift ist eine Stimme, aber auch eine funktionale Struktur. Beides verdient es, näher betrachtet zu werden.
Eine Betrachtung der Bilder
Weiterführende Informationen und Querverweise
Weiter mit der Gestaltung von Informationen, Hierarchien und verständlicher Kommunikation.
f/p – Markendesign und Corporate Identity
Eine wiedererkennbare Form mit einem Identitätssystem verknüpfen, das über alle Kontaktpunkte hinweg umgesetzt werden kann.
Praktischer Leitfaden: So wählen Sie eine Agentur für Grafik- und Kommunikationsdesign aus
Stellen Sie einen Bezug zwischen diesem Thema und dem Anwendungsbereich des Kommunikationsdesigns, den zu erbringenden Leistungen und der Partnerauswahl her.
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Literaturverzeichnis
Bildnachweise
1. Serif sans serif.png
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2. Monotype Caslon Type Specimen (14644851481).jpg
Urheber oder angegebene Quelle: James Puckett from Boulder, USA · CC BY 2.0
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3. Signage at Fenwood Road, December 2019.JPG
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