Design für die Zukunft
Ende November erläuterten fünf Designexperten in einer Podiumsdiskussion mit anschließender Fragerunde zahlreiche Aspekte ihrer Arbeit. „bergspektiven“-Initiator und -Moderator Christian Kalinke sorgte für einen unterhaltsamen und zugleich informativen Abend, der einem guten Zweck diente.
Zu den Diskussionsteilnehmern gehörten Dr. Xenia Riemann-Tyroller, Kuratorin der Neuen Sammlung – The Design Museum, Pinakothek der Moderne, sowie die Designer Swantje Rößner (Poetic Design), Martina Starke (Designworks, a BMW Group Company), Steffen Kehrle (Atelier Steffen Kehrle) und Andreas Huber (f/p design).
Christian Kalinke engagiert sich seit über 17 Jahren in seiner Heimatstadt Berg mit der gemeinnützigen Initiative „bergspektiven“ für den Jugendsport. Die Initiative unterstützt auch Jugendsportprojekte in Kenia und Mosambik. Christian Kalinke, der die EMEA-Region von BMW Financial Services leitet, lädt mehrmals im Jahr zu Podiumsdiskussionen über aktuelle Themen nach Berg ein. Ziel der Veranstaltungsreihe ist es, zu informieren, zu unterhalten und neue Perspektiven zu eröffnen.
Was ist gutes Design?
Diesmal stand Design im Mittelpunkt der Diskussion – und die Frage: „Warum lohnt es sich, Form und Ethik zu verbinden?“ In der lebhaften Podiumsdiskussion beleuchteten die Teilnehmer die wirtschaftliche Bedeutung von Design, ästhetische Fragen und nicht zuletzt die gesellschaftliche Relevanz guten Designs. Das engagierte Publikum wollte unter anderem wissen, wie Designer zu ihren Ergebnissen kommen und woran sich gutes Design erkennen lässt. Besonders großes Interesse galt den Ideen und Konzepten zur Mobilität der Zukunft.
Swantje Rößner betonte beispielsweise, dass Designer bei ihrer Arbeit stets zukünftige Entwicklungen berücksichtigen müssten. Eine Herausforderung, die Martina Starke und ihr Team gerne annehmen, denn: „Designer lieben Veränderungen.“ Andreas Huber und seine Kollegen bei f/p design verstehen sich als Anwälte der Nutzer. Um gutes Design zu erreichen, müsse der Mensch stets im Mittelpunkt stehen – insbesondere bei komplexen Designaufgaben. Auch Steffen Kehrle erzielt gute Designergebnisse durch direkten Austausch und intensive Diskussion mit seinen Kollegen.
Wie wichtig ist Funktionalität?
Veränderungen und Entwicklungen im Design dokumentiert Die Neue Sammlung – The Design Museum in der Pinakothek der Moderne in München. Dr. Xenia Riemann-Tyroller berichtete darüber, wie neue Materialien die Formensprache beeinflussen können. Gutes Design lässt sich nach Ansicht der Kuratorin jedoch immer daran erkennen, dass gute Funktion im Vordergrund steht. Zudem sollen Objekte lange Freude bereiten und lange genutzt werden können. Auch eine emotionale Komponente könne als Funktion verstanden werden.
Ist Tradition relevant?
Andreas Huber setzt daher auf zeitloses Design, denn gerade Investitionsgüter im B2B-Bereich müssen ihre Funktion und Akzeptanz bei den Nutzergruppen über einen langen Zeitraum beweisen.
Und was macht einen guten Designer aus? Für Martina Starke ist wichtig, dass Designer offen sind. Auch Sprache spielt eine große Rolle, denn schließlich muss man seine Strategie und seine Konzepte erklären und vertreten können.
Das Publikum interessierte sich ebenfalls für die Tradition eines Produkts. Martina Starke zufolge ist es wichtig, sich historischer Aspekte bewusst zu sein, das Gute zu bewahren und zugleich die Weiterentwicklung einer Marke zu ermöglichen.
Wie sehen die Automobile der Zukunft aus?
Wie werden neue Antriebstechnologien das Fahrzeugdesign der Zukunft verändern, wenn kein Verbrennungsmotor mehr untergebracht werden muss? Hier seien völlig neue Designkonzepte gefragt, antwortete das Podium. Andreas Huber wies zudem darauf hin, dass Fahrzeuge künftig autonom unterwegs sein werden: „Wie gestaltet man den Innenraum eines Fahrzeugs, das man nicht mehr selbst fahren muss?“
Neue Designaufgaben also, mit denen sich die Automobilindustrie künftig beschäftigen muss. Die Unternehmen und ihre Designabteilungen stünden vermutlich bereits in den Startlöchern, vermutete das Publikum.
Wie nutzen mittelständische Unternehmen Designleistungen?
Aber können sich mittelständische Unternehmen eine Designberatung leisten? Die Reaktion der Designer zeigte, dass dies für alle selbstverständlich ist. Gute Designleistungen sind mit Kosten verbunden; der Umfang der Leistungen lässt sich jedoch flexibel gestalten, sodass die Kosten überschaubar bleiben. Steffen Kehrle setzt beispielsweise auch auf die Spezialisten in den Unternehmen, mit denen er zusammenarbeitet. Andreas Huber fasste die einzelnen Phasen der Designentwicklung zusammen, die stets transparent und auf die jeweiligen Budgets und Aufgaben zugeschnitten werden.
Am Ende war Pragmatismus gefragt: Was würden die Designer vorschlagen, um die Münchner U-Bahn zu verbessern? Andreas Huber: „Zunächst die offensichtlichsten Schwachstellen beseitigen und mit den Low-Hanging Fruits beginnen.“ Man müsse auch Dinge weglassen, hieß es. „Ich habe noch Hoffnung“, lautete das gut gelaunte Fazit von Christian Kalinke.